Der Außenverteidiger im Fußball

Aufgaben, Anforderungen und Training

Viel wird und wurde geschrieben über den modernen Torhüter, seine Aufgaben und damit der Anspruch an eine umfassende Ausbildung zum Fußballer haben sich in den letzten Jahren stark verändert. (siehe auch: "Modernes Torwarttraining im Fußball", "Der Torwart ist der Spielmacher", "Der Torwart und seine Reflexe")

Dies betrifft aber nicht nur den Torwart und wer glaubt, nur mit jahrzehntelanger Erfahrung als hochklassiger Spieler ein Kinder- oder Jugendteam als Trainer leiten zu können, täuscht sich gewaltig. Ohne die Bereitschaft sich zu ständig zu informieren und zu erneuern, kann den jungen Fußballern keine gute Ausbildung angeboten werden.

Der Außenverteidiger im Fußball
©L.F.otography/Fotolia.com

Der Außenverteidiger war ein Spielverderber

Schauen wir uns die Position des Außenverteidigers an, seine Aufgaben im Kollektivspiel haben sich Spiel haben sich in den letzten Jahren komplett verändert.

Nicht der Außenverteidiger ist neu, den gibt es schon lange. Jupp Posipal war rechter Außenverteidiger im WM-Team 1954. Er durfte nichts, nur verteidigen. Hätte er versucht andere Aufgaben zu übernehmen, dann hätte der gute alte Sepp Herberger schnell ausgewechselt.

Wir haben zum Thema Verteidiger vor langer Zeit einen ironischen Artikel geschrieben. "Die Verteidigerin" beschert uns noch heute Ärger, weil sie nicht männlich ist. Der Grund hierfür ist nicht eine Abneigung gegen den weiblichen Fußball, der Artikel ist ganz einfach gemeinsam mit einer Mädchenmannschaft entwickelt worden und lässt sich auch auf den männlichen Fußball umschreiben.

"Schönheit ist nicht ihr Spiel. Sie ist die geborene Spielverderberin, macht mehr kaputt, als das sie zu einem vernünftigen Spiel beiträgt."

Dieser Auszug ist zwar Ironie, beschreibt aber überzogen die Eigenschaften, die oft mit einem Außenverteidiger in Verbindung gebracht werden, auch heute noch. Dem Außenverteidiger wird das fußballerische Können abgesprochen und auch dies ist ein Grund, weshalb diese Positionen insbesondere bei Kindern unbeliebt ist. In dem Kinderbuch "Fußballfieber" (erschienen 2012) ist der kleine Fabio vom Donner gerührt, weil er nur Verteidiger spielen darf und nicht im Sturm wie sein Freund Sven.

Gute Spieler spielen im Mittelfeld oder im Angriff und wenn schon Abwehr, dann in der zentralen Position. Mal ganz ehrlich, wer spielt im Kinderfußball auf der Außen- und der Innenverteidigerposition? Ganz unrecht hat der kleine Fabio mit seiner Vermutung nicht ;-) Der Innenverteidiger ist fast immer spielerisch stärker und /oder körperlich robuster.

Der Außenverteidiger ist ein kompletter Fußballer

Auf jeder Position wird heute ein kompletter Fußballer verlangt. Der Außenverteidiger ist dabei keine Ausnahme und die Aufgabe des Trainers ist es, ihn mitspielen zu lassen. Die Zeiten wo sich die Aufgaben des Außenverteidigers darauf beschränkte hinten rumzustehen sind lange vorbei. Bereits in den 60zigern traute sich Schnellinger häufig nach vorn, später war es Paul Breitner der als Außenverteidiger am Spiel teilnahm. Kaltz wurde mit seinen "Bananenflanken" zur stürmenden Legende. Nicht selten sind es heute die Außenverteidiger, die die meisten Ballkontakte haben und niemand kann sich vorstellen, dass ein Lahm, Schmelzer oder Clemens Fritz sich nicht am kollektiven Spiel beteiligen.

Ein Außenverteidiger muss athletisch und dazu technisch und taktisch gut ausgebildet sein.
Er sollte Dynamik und Schnelligkeit mitbringen, gute Flanken schlagen können uns sicher
im Passspiel sein.

Spieleröffnung über den Außenverteidiger im Kinder- und Jugendfußball

Den Druck des Torwarts bei der Spieleröffnung hat "Die Zeit" in einem Artikel so beschrieben: Torhüter mögen es in der Regel nicht, wenn der Ball zu dicht am eigenen Tor ist. Irgendwo im Hinterkopf sehen sie den Ball im Tor liegen, ein Horror.

Deshalb befördern sie die Kugel gerne soweit weg vom Tor, wie es geht. Das die Außenverteidiger ein Spiel sicher und erfolgreich eröffnen können, wird dabei verdrängt. So stehen die Außenverteidiger frei anspielbar auf ihren Positionen und können dem Ball nur hinterher schauen.

Deshalb sollte jeder Trainer bereits im Kinder- und Jugendfußball darauf achten, dass die Spieleröffnung möglichst oft über die Außenverteidigung beginnt. Das Risiko von Gegentoren ist dabei natürlich größer, sollte aber der richtigen Ausbildung geschuldet werden. Je früher wir die Spieler daran gewöhnen, desto besser.

Fußballspielen ist eben "spielen" und nicht den Ball nach vorne dreschen und zu hoffen, eine eventuelle körperliche Überlegenheit auszuspielen. Diese Überlegenheit ist in wenigen Jahren vorbei und dann kommt die große Zeit der spielenden Verteidiger.

Die Aufgaben des modernen Außenverteidigers

Außenverteidiger spielen mit, sie schlagen Flanken und verlagern das Spiel durch Diagonalpässe. Sie sind Flügelspieler und schaffen dadurch weitere Passwege und zusätzliche Anspielmöglichkeiten. Dabei ziehen sie auch nach innen zum Tor und sorgen für Gefahr. Außenverteidiger erobern den Ball gegen Angreifer auf ihrer Abwehrseite und sichern die Innenverteidiger bei deren Vorstöße ab oder unterstützen sie, indem sie nach innen einrücken. Dieses Einrücken erfolgt auch, wenn sich der Ball auf der anderen Spielfeldseite befindet ( siehe: "Grundlagen der Viererkette").

Übrigens: Niemand hinterläuft seinen Mitspieler so oft wie der Außenverteidiger. Deshalb gehört das Hinterlaufen, neben sämtlichen anderen fußballerischen Eigenschaften, zu den wichtigsten taktischen Trainingsinhalten für Außenverteidiger.

Uwe Bluhm