"Schiri, Hand!" - Irrtümer und Lösungen zur Handspiel-Regel im Fußball

Absicht, Abstand, Körperhaltung , Hand geht zum Ball und andere Diskussionen

Zu den heftig diskutierten Regeln im Fußball gehört das "absichtliche Handspiel". Auf jedem Fußballplatz gibt es immer wieder strittige Schiedsrichterentscheidungen und im TV sorgen viele Ballberührungen der Feldspieler mit der Hand bei den Spielern, Trainern, Zuschauern und beim Kommentator für Verwirrung.

Handspiel-Regel im Fußball
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Das Problem ist die "Absicht" beim Handspiel, die ein Schiedsrichter in Sekundenbruchteilen subjektiv beurteilen muss. Die anderen Beteiligten kennen manchmal die Regel nicht genau und entschieden wird dann oft durch die Fanbrille, denn die Absicht beim Handspiel wird für das eigene Team anders beurteilt als beim Gegner. Ähnlich wie beim passiven Abseits, gibt es beim Handspiel keine wirklich klare Regelung. Wahrscheinlich ist die Handspiel-Regel dringend zu reformieren, allerdings lebt der Fußball auch von strittigen Entscheidungen. Mit einer klareren Regel wäre der Fußball zwar gerechter, aber auch langweiliger.

Wie oft wird der Ball absichtlich mit der Hand gespielt?

Niemand ist der Lage "Absicht" zu unterstellen, es sei denn, es ist eindeutig und deutlich absichtlich eine aktive Bewegung der Hand oder des Armes zum Ball. Sind wir ehrlich: Selten nimmt ein Verteidiger den Ball im Strafraum "absichtlich" mit der Hand!

Was ist denn eine "natürliche" oder "unnatürliche" Hand- oder Armhaltung? Es gibt einige Spieler, deren Körperhaltung ständig "unnatürlich" ist, dies hat mit Absicht aber nichts zu tun. Selbst ein angelegter Arm ist nicht unbedingt eine "natürliche" Haltung. Deshalb können wir dieses Kriterium für die Unterstellung von "Absicht" in vielen Fällen eigentlich schon vergessen.

Beim handspielenden Spieler ist die Aufregung oft besonders groß und man kann das verstehen. Er hat den Ball nicht absichtlich mit der Hand gespielt und fühlt sich ungerecht beurteilt. Es ist auch völlig egal, denn bei jeder Berührung des Balles mit der Hand, heben vorsichtshalber die Spieler des gegnerischen Teams die Hände zum Zeichen eine klaren Handspiels, damit dem Schiedsrichter die Beurteilung der Situation leichter fällt. Weniger Minuten später machen es die Spieler der anderen Mannschaft auch so und deshalb müssen wir einen Spieler bei einem gepfiffenen, unabsichtlichen Handspiel nicht wirklich bemitleiden.

Spieler, Trainer, Zuschauer und Kommentatoren blicken bei dieser Regel nicht mehr durch. Manuel Friedrich sagte: "Hände auf den Rücken kleben – dann passiert so etwas nicht. Dann können wir uns wieder auf den Fußball konzentrieren und müssen uns mit so einem Scheiß nicht beschäftigen.", das ist aber auch keine praktikable Lösung und die Aussage war Frust, weil er gerade einen Handelfmeter verschuldete.

Lösungen - Reform der Handspielregelung

Die einzige Möglichkeit wäre die "Absicht" aus der Handspielregelung zu streichen. Jede Berührung des Balles mit dem Arm oder der Hand wäre dann ein Regelverstoß. Verfeinert vielleicht, jede Ablenkung oder die Geschwindigkeitsreduzierung des Balles wird als Handspiel geahndet.

Ähnlich wie beim Feldhockey mit der Fußregel, würden dann pfiffige Spieler im Strafraum versuchen durch geschickte Lupfer den Ball an die Hand des Verteidigers zu spielen. Jetzt könnte man die Regel verbessern und das absichtliche Anschießen unter Strafe stellen. Dann haben wir aber wieder ein neues Problem, der Schiedsrichter müsste entscheiden, was absichtliches und unabsichtliches Anschießen ist.

Entschärfen könnte man die Streichung der "Absicht" dadurch, dass es bei einem Handspiel im Strafraum nur dann einen Elfmeter gibt, wenn der direkte Torerfolg verhindert wurde, ansonsten gibt es einen indirekten Freistoß am Ort des Geschehens oder direkt von der Strafraumgrenze.

Die Handspiel-Regel - Kleine Regelkunde

In den offiziellen Fußballregeln finden wir das Handspiel in der Regel 12 "Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen".

Danach wird dem gegnerischen Team ein direkter Freistoß zugesprochen, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm spielt, was natürlich nicht für den Torwart im eigenen Strafraum gilt. Außerhalb des Strafraums wird ein Handspiel des Torwarts allerdings so bestraft, wie bei einem Feldspieler.

Für ein absichtliches Handspiel werden folgende Sanktionen ausgesprochen:

  • Begeht ein Spieler ein absichtliches Handspiel im eigenen Strafraum, gibt es Elfmeter.
  • Verhindert ein Spieler eine Torchance durch ein absichtliches Handspiel im Strafraum, wird er mit der Roten Karte bestraft.
  • Eine Gelbe Karte für ein absichtliches Handspiel gibt es, wenn durch das Handspiel verhindert wird, dass der gegnerische Spieler in Ballbesitz kommt, oder der Spieler versucht mit der Hand ein Tor zu erzielen

Soweit ist das alles ganz einfach, das Problem liegt darin, dass die Regel beim Handspiel "Absicht" fordert, denn die eigentliche Berührung des Balles mit der Hand ist noch kein Regelverstoß. Der Schiedsrichter hat dabei auf folgende Dinge zu achten, damit die Situation richtig beurteilt wird:

  • Die Bewegung der Hand oder des Balles muss zum Ball gehen, geht der Ball zur Hand spielt das keine Rolle.
  • Die Entfernung zum Gegenspieler, denn bei einem plötzlichen Pass oder Torschuss aus der Nahdistanz kann nicht "Absicht" unterstellt werden (zu kurze oder keine Reaktionszeit).
  • Wo befindet ich die Hand, welche Haltung nimmt der Arm ein? Dies wird häufig in natürliche oder unnatürliche Haltung unterschieden.

Übrigens, hält der Spieler etwas in der Hand, zum Beispiel einen Schienbeinschoner und berührt damit oder trifft den Ball mit einem Wurf, dann wird das als absichtliches Handspiel ausgelegt.

Diese Punkte soll ein Schiedsrichter bei einem Handspiel beurteilen, in der Kürze der Zeit kann das nicht gelingen. Wir werden also weiter über falsche und richtige Handspiel-Entscheidungen diskutieren, uns ärgern oder freuen, denn es gibt keine Lösung, die das Handspiel eindeutig definieren kann.

Uwe Bluhm

Quelle: fifa.com | uefa.com | dfb.de | spiegel-omline.de