Soccerdrills - Reisebericht:
Kinder- und Jugendtraining beim FC Bayern München

Ein etwas anderer Trainingsreport

Passives Abseits
Bayern München - Säbener Straße

Während einer kleinen Fußballreise hatten wir die Gelegenheit, uns verschiedene Kinder- und Jugendtrainingseinheiten bei Bayern München anzuschauen.

Das Profitraining hat uns nicht sonderlich interessiert, weil hier ein Aufwand betrieben wird, den ein Trainer im Breitensport nicht leisten kann.

Wir haben uns also bei unserem Aufenthalt in der Säbener Straße ganz auf den Kinder- und Jugendfußball konzentriert. Einige Übungseinheiten werden wir ausarbeiten und auf Soccerdrills veröffentlichen, habt bitte etwas Geduld. Wir werden diese Übungen aber nicht als FCB-Einheiten kennzeichnen, damit keine Missverständnisse auftreten.

Es sind sehr interessante Abläufe, aber keine revolutionären Neuerungen. Viele Einheiten sind bereits bekannt und auf Soccerdrills veröffentlicht. Was wir sehen konnten, erstaunte uns trotzdem teilweise gewaltig.

Unser Hauptinteresse galt dem Umfeld, den Trainingsbedingungen, der Trainingsgestaltung und dem Verhalten der Trainer und Spieler. Einige Dinge lassen sich als Trainer im Breitensport sehr gut umsetzen, andere Punkte sind an der Basis undenkbar, aber sehr interessant.

Da wir erfahren konnten, hier lesen auch mal Trainer des FCB mit, werden wir, soweit möglich, keine Altersklassen nennen, denn es gibt auch kritisches zu berichten.

Kinder- und Jugendmannschaften


Bereits 1995 hat der FCB das "Junior-Team" gegründet. Dies beginnt mit der zweiten Mannschaft und der Kinder- und Jugendfußball besteht aus 11 Teams, die von insgesamt 26 Ausbildern betreut werden.

Ab D-Jugend wird einheitlich ein Spielsystem gelehrt, das vereinfacht als 4-4-2 bezeichnet werden kann.

Der Leistungsbereich beginnt in der B- und A-Jugend, hier wird sechsmal die Woche trainiert.

Sämtliche Teams werden mit dem Equipment der Profis ausgestattet. Für auswärtige Talente steht auf dem Gelände ein Appartementhaus mit 13 Zimmern zur Verfügung.

Trainingsgelände, Trainingsplätze, Equipment

Das Trainingsgelände für die Kinder- und Jugendmannschaften befindet sich genau dort, wo auch die Profis trainieren, in der Säbener Straße. Training gibt es jeden Tag und es ist schon beeindruckend. Das Hauptgebäude ist ca. 200m lang und dahinter befinden sich 8 Trainingsplätze.

Für die Kinder- und Jugendlichen ist somit eine Identifizierung mit dem Verein in allen Ecken des Geländes gegeben. Nach dem Umziehen kommen die Spieler aus einem Teil des Gebäudes, vor dem die Autos von Rummenigge, Hoeneß und Co. parken. Natürlich treffen Sie auch immer wieder auf Stars und ständig sind Besucher auf dem Gelände.

Trotz der 8 Trainingsplätze konnten wir beobachten, dass sich zwei Jugendteams einen Trainingsplatz teilen mussten, obwohl andere Plätze frei waren. Über die Qualität der Trainingsplätze müssen wir hier nicht schreiben, traumhaft für jeden Trainer.

An Equipment ist natürlich alles vorhanden, was ein Trainerherz begehrt. Neben Dummies, Freistoßmauern, Reaktionsgeräte für Torhüter, fallen das Beachvolleyballfeld und Basketballkörbe auf. Tore gibt es in sämtlichen Größen, aber das ist nicht wirklich überraschend.

Vor Trainingsbeginn

Einige Dinge kann man sich hier abschauen.

Die Trainer sind bereits deutlich vor den Teams auf dem Trainingsfeld und bereiten das Training vor. Markierungen werden ausgelegt und Stangen gesteckt, die Spieler müssen später nur noch Tore an die richtigen Stellen tragen, falls erforderlich.

Die Anzahl der Trainer pro Team ist dabei völlig unterschiedlich. Ein Trainer, zwei Trainer oder weitere Trainer und Betreuer, alles war möglich.

Die Trainer sind beim Training übrigens einheitlich eingekleidet, dies ist Vorschrift. Sieht natürlich toll aus und man erkennt die Verantwortlichen sofort. Einige Torwarttrainer fielen aus der Norm, aber dies ist wohl der weißen Oberbekleidung geschuldet.

Auf diese "Einheitlichkeit" stießen wir immer wieder, nicht nur bei den Trainern. Diese Maßnahmen tragen zur Identifizierung mit dem Verein bei, sind aber auch öffentlichkeitswirksam, was auf diesem Gelände einfach dazu gehört.

Bitte denkt daran: wir schreiben hier tatsächlich nur über Kinder- und Jugendfußball.

Es geht los


Oft werden die Torhüter bereits vor dem Trainingsbeginn von einem Torwarttrainer trainiert, aber auch Training gesondert vom Rest der Mannschaft wird durchgeführt. In den jüngeren Jahrgängen übernimmt das auch der Trainer, oder sein Co.

Ein Torwarttraining konnten wir auch für einen E-Jugend Torwart beobachten.

Gut, jetzt weg von den Torhütern, widmen wir uns dem Mannschaftstraining.

Jeder Trainer kennt das: das Team erscheint auf dem Trainingsplatz wie es will. Die Ersten bolzen und irgendwann trifft dann auch der letzte Spieler ein.

Es wird euch nicht erstaunen, aber bei Bayern München läuft das anders. Die Mannschaft betritt geschlossen den Trainingsplatz. Damit wird auf jeden einzelnen Spieler natürlich der Druck erhöht, denn die Kameraden warten. Sämtliche Spieler sind einheitlich gekleidet, der Blick auf den Platz zeigt ein perfektes Bild.

Das Training startet dann so schnell wie möglich. Tore werden meistens später aufgestellt, aber leider auch nicht immer gesichert, obwohl jedes Tor über einen Aufkleber verfügt (siehe Bild), einige von euch werden das kennen.

Trainingsinhalte


Das Training beginnt, die Torhüter werden in fast sämtlichen Übungen ins Mannschaftstraining integriert. Dies fällt übrigens schon beim speziellen Torwarttraining auf: es wird viel mit dem Fuß am Ball trainiert.

Wer jetzt glaubt, es geht mit Laufen los, täuscht sich. Wenn überhaupt, werden über kurze Strecken Bewegungsformen und später kurze Sprints ausgeführt.

Der Einstieg ins Training erfolgt über Dribbling-, Pass- und Bewegungsspiele, die sehr intensiv sind. Gepaart mit technischen Einlagen, sind die Spieler ganz schön am Schnaufen, aber es ist deutlich zu erkennen, dass es Spaß macht.

Was uns schon hier bei manchem Training fehlt, war das Loben der Spieler für gelungene Aktionen. Auffällig: die Trainer sind sehr engagiert und aufmerksam dabei, ohne dabei laut zu werden. Der "Chef-Trainer" hat dabei das volle Kommando, der "Co" greift nur unterstützend ein. Es rufen, wenn überhaupt, nicht mehrere Trainer in den Ablauf hinein.

Bei der Abschlussspielform der A-Jugend meldete sich der Trainer fast gar nicht zu Wort und es war trotzdem extrem laut. Die Spieler kommunizierten unglaublich viel miteinander, als Zuschauer war man davon fast genervt. Der Trainer unterbrach die Spielform übrigens, um die Übung auf einen anderen Teil des Rasens zu verschieben. So schont man den Platz und bekommt keinen Ärger mit dem Platzwart ;-)

Bei einigen Übungen vermissen wir den "kleinen dicken Paul", der dem Trainer an der Basis immer Kopfschmerzen bereitet und so manchen Übungsablauf im Keim erstickt. Hier können alle richtig gut Fußballspielen und hängen sich auch voll ins Training rein. Insofern ist die Arbeit für die Trainer in diesen Punkten viel einfacher, als für einen Basis-Trainer.

Im Laufe des Trainings folgten Übungsformen die, je nach Altersklasse, taktische Bestandteile enthielten und teilweise sehr kompliziert waren.

Ein Team schien mit einem Ablauf so überfordert, man hätte die Übung vielleicht abbrechen sollen. Der Trainer war leicht säuerlich und ließ das auch die Kids spüren. Er forderte Konzentration, Laufbereitschaft und wollte keine Fehler mehr sehen. Der Übungsteil wurde unendlich lang und funktionierte dann doch noch. Auch hier wieder: kein Lob, nichts, dafür wurde vorher massiv kritisiert und Liegestütz als "Strafe" angeordnet.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass jedes Training sehr gut war und die Trainer ihren Job mit viel Einsatz und Können ausüben. So soll es aber auch sein, bei einem der bekanntesten und erfolgreichsten Fußballvereine der Welt.

Nach den ganzen Trainingseinheiten, die wir uns anschauen durften, ging es dann am Samstag noch in die Allianz-Arena. Bayern gegen Hertha = 4:0, kein Wunder, bei dem Training ;-)

Es gäbe noch viel zu berichten, aber wir wollen es nicht übertreiben. Wir haben noch einige interessante Themen mitgebracht, über die wir in den nächsten Wochen und Monaten berichten können, denn wir waren nicht nur wegen Bayern München auf Fußballreise.