Fußball - Regeln aufstellen, Disziplin steuern

Mannschaftsregeln, Verpflichtungen und Sanktionen

Nachdem in den beiden Artikeln "Disziplin im Fußballteam" und "Mit Strafenkatalog und Fantasie zur vollen Mannschaftskasse ;-)" schon einiges über Sinn und Unsinn von Bestrafungen als disziplinarische Maßnahme zu lesen ist, kommen wir hier zu Lösungsansätzen für ein gutes Klima zwischen dem Fußballtrainer und seinem Team und den Spielern untereinander.

Mannschaftsregeln aufstellen
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Trainer und Team geben den Takt vor

Um gleich die ersten Missverständnisse auszuräumen: wie und mit welcher Härte disziplinarische Maßnahmen ergriffen werden, ist in erster Linie abhängig vom Team und vom Trainer.

Ein Team mit vielen Problemspielern ist dabei anders zu behandeln, als ein "liebes" Team. Oft ist die Härte der Sanktionen aber auch vom Trainer abhängig. Fehlt es an Durchsetzungsvermögen, kann der Trainer das durch verschärfte Maßnahmen teilweise ausgleichen. Wie lange das funktioniert, bleibt abzuwarten.

Der Trainer ist also ein ganz wichtiger Faktor, um ein vernünftiges soziales Klima zu schaffen. Er lebt vor und hat sich vorbildlich an Mannschaftsregeln zu halten. Kann er dies nicht, darf er es auch nicht von seinen Spielern verlangen.

Welche Mannschaftsregeln werden benötigt?

Da haben wir schon unser nächstes Problem. Jeder Trainer hat seine eigenen Maßstäbe, so ist es für den einen Trainer wichtig, dass die Spieler gekämmt zum Spiel erscheinen und der nächste Trainer kämmt sich selbst nicht, weil es unwichtig für ihn ist.

Ich will dabei nicht wirklich helfen nur, wenn Regeln aufgestellt werden die über den gesunden Menschenverstand hinausgehen, Spieler in ihrer Würde erniedrigen oder sich in elementare Privatangelegenheit einmischen, dann ist die Grenze überschritten.

Es gibt Regeln, die der Trainer einfordern muss. So gehört das Einschreiten des Trainers bei Gewalt, Diebstahl, Beleidigungen, Mobbing und Fairplay-Verstößen zu seinen Pflichten, ein Wahlrecht gibt es dabei nicht. Nehmen Spieler in irgendeiner Form körperlichen, seelischen oder materiellen Schaden, muss der Trainer handeln.

Weiterhin gehören zu den wichtigen Regeln (Beispiele in Klammer):

- Zuverlässigkeit (rechtzeitiges Absagen von Spiel und Training, Pünktlichkeit)
- Respekt (vor Mitspielern, Trainer und jeder anderen Person)
- Eigentumsschutz (pflegsamer Umgang mit fremden Eigentum, beispielhaft Vereinseigentum und Eigentum der Mitspieler und anderer Personen)
- Höflichkeit ( vernünftiger Umgangston untereinander und zu fremden Personen)

Eigentlich ist es ganz einfach, es sind die Verhaltensregeln, die der gesunde Menschenverstand vorgibt, die aber leider nicht jeder Spieler begriffen hat.

Mannschaftsregeln als Trainer durchsetzen

Kommen wir zunächst zu dem immer noch beliebten Strafenkatalog. Ich habe ihn in jahrzehntelanger Tätigkeit als Kinder-, Jugend- und Seniorentrainer nie benötigt. Mir wäre die Verwaltung auch lästig gewesen, aber es gibt noch weitere Gründe.

Was will ich mit einer Sanktion eigentlich erreichen? Kann es sein, dass sich ein Spieler aus einer "leichten körperlichen gegen einen Mitspieler" mit 5,00€ "rauskauft" oder durch 10 Platzrunden? Ist damit die Sache erledigt und vergessen?

Nein, es ist die Pflicht des Trainers mit dem betroffenen Spieler zu reden und dann den Spieler dort zu treffen, wo es wirklich weh tut: Spielverbot, Ersatzbank und falls keine Einsicht folgt, wird die Strafe ausgedehnt. Dafür benötige ich keinen Strafenkatalog, weil es hierfür keinen "Standard" gbt..

Gespräche und daraus resultierende Konsequenzen, bis notfalls zum kompletten Ausschluss sind nötig. Letztendlich werden Spieler die nicht über ausreichende soziale Kompetenz verfügen, dem Team auf Dauer nicht weiterhelfen und wenn sie noch so gute Fußballer sind.

Es geht also darum, die Grundregeln zu akzeptieren, dabei treten "ungeputzte Schuhe" oder "Hemd in die Hose" erstmal in den Hintergrund. Nicht, dass solche Dinge unwichtig sind, aber wenn die Grundregeln nicht eingehalten werden, verschwende ich als Trainer meine Zeit mit der Kontrolle dieser Dinge.

Team und Trainer erstellen die Mannschaftsregeln

Wenn ich geschrieben habe einen Strafenkatalog hätte ich nie benötigt, dann ist das nur die halbe Wahrheit.
Es gab oft Mannschaftregeln, auch schriftlich und diese Regeln wurden mit dem Team gemeinschaftlich aufgestellt. Um die Akzeptanz der Spieler zu erhöhen, durfte hinterher jeder dieses "Commitment" unterschreiben.

Blödsinn? Nein, es führte in vielen Fällen zu einer Selbstregulierung im Team. Die Spieler und ich akzeptierten die aufgestellten Regeln und Mitspieler werden dann schon mal aus dem Team heraus auf Verstöße aufmerksam gemacht. Schließlich hatten sie unterschrieben und kamen so aus der Nummer nicht mehr raus.

Welche Strafen sind möglich?

Bei Verstößen gegen die Grundregeln des Zusammenlebens, sind nur die bereits weiter oben beschriebenen Sanktionen möglich. Ich hoffe, soweit besteht Einigkeit.

Geldstrafen, Rundenlaufen, Liegestütz, Lied singen, Tanzen oder Ball- und Materialdienst sind möglich, dazu unendlich viele weitere Strafen, je nach Fantasie.

Um das Ganze abzukürzen, möchte ich es pauschalieren:

Beachte bei Bestrafung immer die Würde deiner Spieler und betrachte jeden Spieler als Individuum. Was ein Spieler cool absolviert, ist für den anderen ein "bloßstellen vor dem Team" und kann schlimmstenfalls seelische Schäden verursachen.

Kollektivstrafen können auch problematisch sein, denn sie lösen manchmal eine Aggressivität gegen den aus, der dafür verantwortlich ist. Eine gute Einschätzung der Spieler im Team ist deshalb erforderlich.

Zum Abschluss kommen wir zu den Geldstrafen. Weiter oben habe ich es schon angedeutet: ich halte davon gar nichts!

Der Verwaltungsaufwand ist viel zu hoch und im Kinder- und Jugendfußball treffen diese Strafen den Spieler oft nicht, denn Papa oder Mama bezahlen letztendlich. Viele Spieler lächeln über Geldstrafen in Höhe von 0,20 € oder 0,50€ und damit verfehlen sie ihren erzieherischen Zweck.

Diese Gelder sind dann wirklich nur für die Mannschaftskasse. Eine Einführung von Geldstrafen im Kinder- und Jugendfußball ist ohne Zustimmung der Eltern nicht möglich, wenn man Ärger vermeiden möchte. Rechtlich ist das auch ein Problem, denn Minderjährigen Geld für Strafen aus der Tasche zu ziehen ist zumindest fragwürdig, aber das nur am Rande.

Geldstrafen würde ich nur dann akzeptieren, wenn die Spieler vom Verein fürs Fußballspielen welches erhalten.

Fazit

Es ist wie es immer ist: der Fußballtrainer hat es nicht einfach Mannschaftsregeln zu erstellen und die dazugehörigen Sanktionen umzusetzen. Dies ist abhängig von der sozialen Kompetenz des Teams, inklusive Trainer. Ein "so und nicht anders" gibt es nicht.

In sozialen Brennpunkten sind sicherlich andere Regeln aufzustellen und Strafen umzusetzen, als in einer dörflichen Idylle.

Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Umsetzung deiner Mannschaftsregeln, aber nicht vergessen: es gibt wichtigere Dinge .... als gekämmte Haare!

Uwe Bluhm