Zu Besuch bei Real Madrid

Die Real-Madrid-Stadt - Eltern gehen eigene Wege

Eine Woche in Madrid .. ein Erlebnis, insbesondere die Besuche auf dem Trainingsgelände "Ciudad Deportiva" (Sportstadt) von Real Madrid.


Beobachtetet wurden dabei die Jugendmannschaften bis hin zum zweiten Seniorenteam. Dort wo es die Möglichkeit gab Fragen zu stellen oder sich zu informieren, wurde die Chance natürlich nicht vertan.

Leider waren wir es nicht, die diese Reise antraten, ein Trainer hat davon berichtet, der ungenannt bleiben möchte. Hier wird darauf verzichtet, über detaillierte Trainingsinhalte zu berichten, denn manchmal sind es die kleine Erlebnisse, die einen Reisebericht ausmachen.

Keine hauptamtlichen Jugendtrainer

Interessant ist sicherlich, dass keiner der Jugendtrainer von seiner Tätigkeit leben kann, alle gehen noch einem Hauptberuf nach. Dies vermutet man bei Real sicher nicht, wenn man daran denkt, mit welchen Summen dort sonst hantiert wird.

Der Trainer der zweiten Senioren ist gleichzeitig Akademieleiter, dies ist ein Full-Time-Job, aber das dürfte keine Überraschung sein.

Aufgabenteilung, Trainingsschwerpunkte und Disziplin

Ein Schwerpunkt im Training ist natürlich die Taktik, aber in vielen Abläufen werden Fitness- und Athletik-Elemente geschickt eingebaut. So wurde das bei Real Madrid nicht unbedingt erwartet, denkt man beim Namen "Real Madrid" doch unweigerlich an Ballzauber ohne Ende.

Um zu verstehen wie das funktioniert, hier ein kleines Beispiel. Nicht aus Madrid, es macht die Umsetzung aber deutlich:
Wir lassen 6 gegen 2 auf zwei Feldern spielen. Nach jedem zehnten Pass müssen die Abwehrspieler das Übungsfeld verlassen und ins andere Feld sprinten, um dort weiter zu verteidigen. Die Intensität kann dadurch erhöht werden, dass der Feldwechsel bereits nach dem fünften Pass erfolgt oder die Abstände zwischen den Feldern vergrößert werden.

Die Cheftrainer halten sich beim Training sehr zurück. Ihre Aktivitäten beschränken sich aufs Beobachten, nur bei wichtigen Korrekturen oder für besondere Hinweise greifen sie ins Trainingsgeschehen ein. Die Verantwortung für den geregelten Trainingsablauf übernehmen die Co-Trainer. Der Trainerstab wirkte extrem hoch motiviert und im Laufe der Woche fanden immer wieder Besprechungen statt, leider durfte man daran nicht teilnehmen.

Im Trainingsablauf ist deutlich ein "Roter Faden" zu erkennen. Die Übungen finden zunächst auf engsten Raum statt und im Laufe des Trainings wird das Übungsfeld immer größer. Hier wird nichts dem Zufall überlassen, straff organisiert und mit großer Disziplin wird keine Trainingszeit verschenkt.

Die Spieler erschienen in jeder Altersklasse im einheitlichen Outfit auf dem Trainingsplatz. Auch hier wirkte alles sehr diszipliniert, allerdings konnten die Gespräche untereinander nicht wirklich verfolgt werden, dazu fehlten die nötigen spanischen Sprachkenntnisse.

Volle Kontrolle bei der U19

Bei der U19 wurde die Trainingsintensität ständig nicht nur beobachtet, sondern gemessen. Die Trainer kannten von jedem Spieler die maximale Belastungsgrenze unter der Berücksichtigung, wann der einzelne Spieler seine letzten Einsätze im welchen Team hatte und wie hoch die Trainingsbelastung in den letzten Tagen war. Es sah so aus, als wenn die Spieler kleine Messgeräte in den Trainingswesten trugen, hier wurde nichts dem Zufall überlassen.

Die Real-Madrid-Stadt - Eltern gehen eigene Wege

Eine erstaunliche Idee, um die Jugendspieler von äußeren Einflüssen fernzuhalten. Auf dem Trainingsgelände gab es blaue und graue Wege. Die grauen Wege sind für die Eltern und sonstigen Fans der Spieler. Sie dürfen sich nur hier bewegen, die blauen Flächen sind den Spielern und den Trainern vorbehalten. Für die Zuschauer gibt es so keine Möglichkeit, die Jugendspieler in der Konzentration zu stören.

Das Problem der überergeizigen Anhänger erledigt sich so automatisch .. zur Nachahmung empfohlen ;-)

Uwe Bluhm